Fächerübergreifende und fachbezogene Unterrichts-
und Erziehungsaufgaben
A
1. Grundsätzliches
Notwendigkeit
Gesellschaftliche und persönliche
Grund und Zeitfragen
1.1 Unsere Gesellschaft steht vor einer Reihe
von grundsätzlichen Problemen und Herausforderungen, die zum Teil
weit in die Zukunft greifen und nur verstanden werden können,
wenn auch ihre Ursprünge und Entwicklungen betrachtet werden. Sie
betreffen unmittelbar und mittelbar sowohl die Gesellschaft insgesamt als
auch den einzelnen Menschen. Die Schüler stehen zusätzlich
vor Fragen, die sich aus ihrer persönlichen Entwicklung und ihrem
Lebensumfeld ergeben.
Fächerübergreifende Behandlung
1.2 Schule strebt nach Allgemeinbildung. Dazu
gehört auch die erzieherische Aufgabe, das Bewusstsein für gesellschaftliche
und persönliche Grund- und Zeitfragen zu entfalten und Hilfen für
deren Bewältigung zu geben. Dies kann nicht allein im gefächerten
Unterricht geschehen. Die Komplexität der Gegenstände und der
Zusammenhang der Einzelaspekte erfordern fächerübergreifende
Behandlung.
Ziele und Umsetzungsformen
Zusammenschau des Einzelwissens
1.3 Viele dieser Unterrichts- und Erziehungsaufgaben werden in den
Lehrplänen der einzelnen Fächer dargestellt. Manche können
im pädagogischen Freiraum, aber auch bei außerunterrichtlichen
Aktivitäten aufgegriffen werden. Im fächerübergreifenden
Unterricht geht es darum, die Komplexität und Vernetzung wichtiger
Lebensfragen zu verdeutlichen und die Schüler zu einem Denken in Zusammenhängen
anzuleiten. Dies vollzieht sich in der Polarität von Einzelbetrachtung
und Zusammenschau, von Spezialisierung und Generalisierung, von Vergangenheit
und Gegenwart.
Exemplarische Behandlung
1.4 Angesichts der Fülle der anstehenden gesellschaftlichen und
persönlichen Grund- und Zeitfragen und angesichts der Dichte ihrer
Vernetzung kann die Behandlung im Unterricht nur an ausgewählten Themen
erfolgen. Als Auswahlkriterien bieten sich neben
der grundsätzlichen Bedeutsamkeit die Aktualität, das Interesse
und die Betroffenheit der Schüler sowie die Ergiebigkeit für
die exemplarische Behandlung an.
Konkretisierung
1.5 Manche der anzusprechenden gesellschaftlichen
Grund- und Zeitfragen liegen abseits vom unmittelbaren Erleben der Schüler.
Vieles ist als Forderung leicht zu formulieren, aber schwer zu realisieren.
Die Gefahr einer Behandlung "über die Köpfe der Schüler
hinweg" ist groß. Deshalb ist es ratsam, konkrete
Situationen im Zusammenleben der Schüler, aktuelle politische, soziale
oder wirtschaftliche Ereignisse, Beispiele aus der unmittelbaren Lebens-
und Erfahrungswelt oder Einzelschicksale zur Grundlage der Unterrichtsgestaltung
zu machen.
2. Die Bildungsaufgaben im Einzelnen
2.2 Diese Aufgaben sind aber auch miteinander verbunden: Die persönliche
Lebensgestaltung steht im Zusammenhang mit gesellschaftlich-politischen
sowie mit ökonomischen Bedingungen; politische und wirtschaftliche
Prozesse beeinflussen sich gegenseitig. Jede der im Folgenden angesprochenen
Aufgaben hat eine allgemein-gesellschaftliche und eine persönlich-individuelle
Dimension. So betreffen z. B. Fragen der Umwelt, der Gesundheit, des
Mediengebrauchs den einzelnen Bürger, aber auch die Gesellschaft
als Ganze. Bei der unterrichtlichen Behandlung der fächerübergreifenden
Bildungsaufgaben sollen auch diese Zusammenhänge angesprochen werden.
So erfahren die Schüler, dass sie durch ihre Entscheidungen und Handlungen
in den gesellschaftlich-politischen Prozess eingreifen können und
dass sie umgekehrt in geschichtlich gewordene gesellschaftlich-politische
Rahmenbedingungen eingebunden sind.
Aufschließen für gesellschaftliche Grund- und Zeitfragen
- Politische Bildung
2.4 Die jungen Menschen sind teils unmittelbar von den großen
Herausforderungen und Aufgaben betroffen, die unserer Gesellschaft insgesamt
gestellt sind, teils erfahren sie über die Medien
von ihnen. Sie sollen lernen, sich in der
Vielfalt gesellschaftlichen und politischen Lebens zurechtzufinden....
und Möglichkeiten eigener praktischer Mitwirkung zu entdecken und
wahrzunehmen.
Freizeit
2.13 Die Schüler erfahren, welche Bedeutung die Zeit für
das eigene Leben hat: als Arbeitszeit, Freizeit, Zeit zur Muße. Sie
stellen sich der Aufgabe, die freie Zeit des Lebens sinnvoll zu gestalten.
Sie sehen die Chancen, aber auch die Gefahren der Freizeitgestaltung. Sie
erkennen, dass sie besonders in der Freizeit Neigungen und Begabungen entwickeln
und selbstständig und verantwortlich handeln können. Sie setzen
sich mit unterschiedlichen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung auseinander
und lernen, Freizeitangebote zu bewerten und für das eigene Leben
richtige Entscheidungen zu treffen. Am wirkungsvollsten ist der Beitrag
der Schule, wenn sie den Schülern in den Unterrichtsfächern,
in freien Arbeitsgemeinschaften und in außerschulischen Angeboten
Erfahrungen ermöglicht, wenn sie Fertigkeiten einübt und durch
das Tun Interessen weckt, die in entsprechenden Freizeitaktivitäten
weitergeführt werden können.
Medien
2.14 Die Schüler werden ermutigt, vielfältige
Primärerfahrungen mit Menschen, Natur und Kultur zu machen. Die
Medien können diese Erfahrungen ergänzen. Sie bieten die Chance,
die eigene Welterfahrung zu erweitern. Die Schüler sollen aber auch
Risiken und Gefahren erkennen, denen sie durch wirklichkeitsverfälschende
Angebote der Medien und unkritischen Gebrauch ausgesetzt sind. Dazu müssen
sie deren Verbreitung und Wirkung, Leistungsfähigkeit und Grenzen
kennen, ihren Charakter und Wirklichkeitsgrad beurteilen und die Interessen
einschätzen können, die offen oder versteckt hinter den "Botschaften"
stehen. Nur dann können sie Medien sinnvoll nutzen statt sich von
ihnen beherrschen zu lassen....
Vorbereitung auf das Arbeits- und Wirtschaftsleben
2.16 Im täglichen Leben werden Schüler
in vielfältiger Weise mit den Erscheinungsformen und Folgen des Wirtschaftslebens
und der modernen Technik konfrontiert, sei es im privaten Haushalt, bei
Konsum und Werbung, in der Computeranwendung und bei verschiedenen Formen
moderner Kommunikation und Medien. Die jungen
Menschen sind fasziniert von den Möglichkeiten der Technik, erfahren
sie aber auch als komplex und bedrohlich. In einer Berufs- und Wirtschaftswelt,
die sich ständig ändert, müssen sie Entscheidungen über
ihre Berufswahl treffen. Die Schule soll bei der Vorbereitung auf das Arbeits-
und Wirtschaftsleben helfen, indem sie den Schülern Gelegenheit bietet,
sich der persönlichen Chancen und Grenzen der Begabung bewusst zu
werden, Orientierung in der Vielzahl beruflicher Möglichkeiten anbietet,
Mut
zur Zukunftsplanung macht und Kriterien für
Berufsentscheidungen vermittelt.
Technik
2.18 Die Schüler machen sich die Chancen und Risiken moderner
Technik bewusst. Dabei geht es z. B. darum, schonend mit den Ressourcen
der Umwelt umzugehen, die Gesundheit zu erhalten, vernünftige Lösungen
im Verkehrswesen zu finden. In den arbeitstechnischen Fächern bearbeiten
sie technische Aufgabenstellungen unter gestalterischen, funktionalen,
ökonomischen und ökologischen Gesichtspunkten. Dabei werden Bereitschaft
und Fähigkeit zu verantwortlichem Umgang mit der Technik angebahnt.
Informationstechnische Bildung
2.19 Für die berufliche Zukunft der Schüler
ist der Umgang mit elektronischer Datenverarbeitung erforderlich. Informationstechnische
Bildung gewährt Einblick in die vielfältigen Einsatzformen und
Möglichkeiten des Computers. Die Schüler erwerben grundlegende
Kenntnisse, Fertigkeiten und Strategien zur Beschaffung, Verarbeitung,
Auswertung und Darstellung von Daten und Informationen; sie erkennen, wie
der Computer in unterschiedlichen Bereichen sinnvoll eingesetzt werden
kann. Diese Grunderfahrungen sind die Voraussetzung
für einen selbstständigen und verantwortungsbewussten Umgang,
der auch die Auswirkungen der Informations-
und Kommunikationstechniken im gesellschaftlichen, beruflichen und privaten
Bereich im Blick hat. Dazu gehören wirtschaftliche,
soziale, ethische und politische Fragen z. B. des Arbeitsmarkts, der Wettbewerbsfähigkeit
in der Wirtschaft, des Daten- und Persönlichkeitsschutzes.
Multimediales
Arbeiten und die Informationsgewinnung aus Datennetzen geben neue Möglichkeiten,
die Welt zu erschließen und mit anderen Menschen in Verbindung zu
treten.
Berufliche Orientierung
2.20 Über grundlegende wirtschaftliche Sachverhalte und Zusammenhänge
hinaus sind die Schüler auch über die Vielzahl ihrer beruflichen
Möglichkeiten zu informieren. Sie erhalten Einblick in Entwicklungstendenzen
der Arbeits- und Wirtschaftswelt und erfahren, welche Anforderungen an
Wissen und Können sowie an Einstellungen und Werthaltungen gestellt
werden. Bei Betriebserkundungen, bei Betriebspraktika und anderen Formen
praxisbezogener Erprobung lernen sie die Bedeutung von Arbeitshaltungen
wie Verantwortungsbewusstsein, Zuverlässigkeit, Sorgfalt, Fleiß,
Ausdauer, Selbstständigkeit, Flexibilität, Kooperationsbereitschaft
kennen. Dabei ist es wichtig, dass sie ihre eigenen Wünsche, Fähigkeiten
und Grenzen klären und lernen, sie realistisch einzuschätzen,
um so eine verantwortliche Berufswahl treffen zu können. Sie sollen
den Wert einer qualifizierten Berufsausbildung erkennen und die Einsicht
gewinnen, dass Mobilität und berufliche Weiterbildung in einer Zeit
berufsstruktureller Veränderungen für den beruflichen Werdegang
von entscheidender Bedeutung sind.
Kapitel II: B Fachbezogene Unterrichts- und Erziehungsaufgaben