Universität Erlangen-Nürnberg

EWF

PS: Computer im Kunstunterricht

Dozent: A. Schraepler

WS 2002/03

Britta Braunersreuther

16.12.2002

 

Cornelia Büschbell: " I am where I am not" (Internetprojekt; München)

- die Geschäftsführung der Werbeagentur "Serviceplan" hatte schon längere Zeit die Idee: eine Hausfassade, die Ihre Farbe wechselt. eine Fläche, die ständig in Bewegung ist und die über das Internet gesteuert werden kann - und die man dort auch besichtigen kann (www.kunstfassade.de); oder täglich live am Ort zwischen 17 und 20 Uhr in München an der Brienner-Sraße ("Kulturstadtteil" Maxstadt).

- dabei sollte es nicht nur um ein "Farbspektakel", sondern um Kunst gehen- (und natürlich auch um einen "Werbegag" für die Agentur)

- in Zusammenarbeit mit der Münchner Künstlerin Cornelia Büschbell wurde das Projekt "I am where I am not" (Ich bin, wo ich nicht bin) entwickelt; dabei geht es um die Visualisierung von Sprache

- ab Mitte November 2002 läuft das Projekt schon- und geht noch bis März 2003 (also während der lichtarmen Monate); die Stadt München stand anfangs dem Projekt etwas skeptisch gegenüber, aber zu Beginn des Jahres 2002 stimmte dann die Stadtgestaltungskommission der Kunstidee zu

- jeder Internetbenutzer kann eine Audiodatei (Tondokument) mit dem Satz "Ich bin, wo ich nicht bin" in seiner Landessprache an den Server der Webeagentur weiterleiten; auch mit München verbundene Prominenz lieferte schon Sprachbilder ab: z.B. Staatsoperintendant Sir Peter Jonas (für Großbritannien), Dirigent Zubin Metha (für Indien), Modedesinerin Sonja Bogner (für Brasilien) oder Philharmoniker-Dirigent James Levine (für die USA)

- dort werden die Sätze dekodiert und in den entsprechenden Nationalfarben auf der Hausfassade als ein "abstraktes Bild" abgebildet (so lang, wie es eben dauert den Satz zu sprechen)

Software steuert Farbpaneele

- die Kunstfassade besteht aus 76 Lichtpaneelen (ergeben eine Fläche von 63 Quadratmetern);hinter jedem Paneel sind Neonröhren in rot, blau und grün; mit Hilfe eines speziell entwickelten Gases können diese 3 Grundfarben beliebig gemischt werden, so dass dem Künstler alle erdenklichen Farbvariationen zur Verfügung stehen; über die entsprechende Software kann der Künstler zudem steuern, ob die Farben fließend ineinander übergehen sollen; und die Helligkeit der Farbenkann auch verändert werden

- je mehr Beiträge aus einem Land vorliegen, desto länger werden die Intervalle der sich wandelnden Farben, ehe sich eine Länderabsraktion wiederholt; dass das Gebäude an der Brienner Strasse nicht ständig in "Schwarz-Rot-Gold beflaggt" ist, kommt jede Landessprache "nur einmal zum Zug"

- damit möglichst viele Landesfarben vertreten sind, wird die Aktion weltweit von den Goethe-Instituten beworben- und Vermittlungshilfe angeboten(es lassen sich 551 Sprachen- aus 216 Ländern anwählen)

- da jeder gesprochene Satz (auch in derselben Sprache) seinen eigenen individuellen Ausdruck besitzt entstehen immer andere Farbvariationen; man komponiert praktisch sein eigenes "individuelles Stimmungsszenarium"

Kunstkonzept

- bei der Idee zu diesem völkerverbindenen Internet-Projekt von Cornelia Büschbell handelt es sich um "Art in Progress" (Kunst Im Fortschritt/ fortschreitende Kunst); nichts eignet sich besser als das World-Wide-Web für die Internet-Kunstfassade- sie soll als lebendiges Forum Nationalitäten und Ethnien über alle geographischen Grenzen hinaus weltweit miteinander verbinden

- die Idee die hinter der Internet-Kunstfassade steckt könnte auf den Punkt gebracht lauten- jeder an jedem Ort der Welt und zu jeder Zeit; nicht einmal fünf Sekunden braucht "I am where I am not" um einmal um den Erdball geschickt zu werden

 

Quellen: